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„Zusammen leben, zusammen wachsen“: Internationaler Kulturverein Pfaffenhofen feiert zehnjähriges Bestehen mit Interkulturellem Fest und Theater „Die Weißen kommen“

Ankündigung

Als vor zehn Jahren im Sommer 2009 die zweiten Interkulturellen und Interreligiösen Wochen in Pfaffenhofen erfolgreich zu Ende gingen, beschlossen die Initiatoren, aus der Initiativgruppe einen Verein zu gründen. Unter Leitung von Pastoralreferent Sepp Steinbüchler hoben 30 engagierte Ehrenamtliche den Internationalen Kulturverein Pfaffenhofen aus der Taufe. Inzwischen hat der Verein knapp 90 Mitglieder.

Der Verein verstand sich von Anfang an sowohl als Interessenvertretung ausländischer Mitbürger wie als Vermittler zwischen einheimischer und ausländischer Bevölkerung. Die Hauptziele der Interkulturellen und Interreligiösen Arbeit wie der gesamten Integrationsarbeit blieben die Förderung des gegenseitigen Kulturverständnisses in den Bereichen Bildung, Musik, Kunst, Literatur, Theater u. a. Begegnung und gemeinschaftliches gesellschaftliches Engagement standen bei allen Aktivitäten stets im Mittelpunkt, seien es Interkulturelle Wochen, Flüchtlingsarbeit und Sprachförderung , Ausstellungen, Bildungsveranstaltungen oder das Friedensgebet.

Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums lädt der Internationale Kulturverein alle Interessierten zu zwei Veranstaltungen unter dem Motto „Zusammen leben, zusammen wachsen“ ein.

  • Ein buntes interkulturelles Fest findet am Samstag, 28. September von 17 bis 20 Uhr im katholischen Pfarrzentrum an der Scheyerer Straße statt.
  • Zwei Wochen später, am 12. Oktober um 19.30 Uhr, gastiert die Theatergruppe „Berliner Compagnie“ mit dem Stück „Die Weißen kommen“ in der neuen KulturAula der Grund- und Mittelschule am Kapellenweg.

Bei dem Internationalen Kulturfest am 28. September gibt es ein buntes Programm, bei dem u. a. die Mädchen und Buben des Kindergartens St. Michael, die Kinder- und Jugendfolkloregruppe des deutsch-albanischen Kulturvereins Sali Çekaj sowie Tanzgruppen des Tanzstudios Scherg auftreten. Außerdem wartet ein großes internationales Buffet auf die Besucher. Der Eintritt zu diesem interkulturellen Fest ist frei.


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Mit vielen bunten Fähnchen eröffneten Kinder
die 1. Interkulturellen und Interreligiösen Wochen
in Pfaffenhofen
© E. Steinbüchler


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Albanische Kindertanzgruppe


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Kinder verschiedener Nationalitäten bei den
Interkulturellen und Interreligiösen Wochen 2009
© E. Steinbüchler


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Tanzstudio Scherg


Die „Berliner Compagnie“ steht seit Jahren für aufrüttelndes politisches Theater und wurde 2009 mit dem nationalen Aachener Friedenspreis ausgezeichnet. In Pfaffenhofen zeigt die Gruppe zum letzten Mal ihr Theaterstück über Afrika – und über uns –, mit dem sie seit mehreren Jahren in vielen deutschen Städten erfolgreich aufgetreten ist. In „Die Weißen kommen“ nimmt die Berliner Compagnie ihr Publikum mit auf eine rasante Reise in die Geschichte Afrikas, und da geht es um Kolonialisierung und Sklavenhandel, angebliche Entwicklungsarbeit und aktuelle Ausbeutung. Die Figuren auf der Bühne agieren dabei wie in einem Computerspiel – mal auf der Seite der Weißen, mal aus der Sicht der Schwarzen.


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Berliner Compagnie: "Die Weißen kommen". Fotos © Ida Henschel


Die Theateraufführung beginnt am Samstag, 12. Oktober um 19.30 Uhr in der KulturAula der Grund- und Mittelschule Pfaffenhofen, Kapellenweg 14. Einlass ist ab 19 Uhr. Der Eintritt kostet 12 Euro, ermäßigt 7 Euro (für Schüler, Studenten, Rentner, Arbeitslose). Der Kartenvorverkauf läuft ab Mitte September im Eine-Welt-Laden, Auenstraße 42.

Karten können im Eine-Weltladen PAF, zu den üblichen Öffnungszeiten auch telefonisch unter der Telefonnummer 08441/278723 erworben werden.


Das bunte Kulturfest vom 28. September 2019

„Das Schlüsselwort heißt Begegnung“

Seit zehn Jahren gibt es den Internationalen Kulturverein Pfaffenhofen (IKVP), und ebenso lange leistet der Verein wichtige interkulturelle, interreligiöse und integrative Arbeit. Mit einem bunten Kulturfest wurde das Jubiläum am Samstag im Pfarrsaal gefeiert, und da standen neben einem vielfachen Dank an alle Beteiligten vor allem Musik und Tanz, gemeinsames Essen am internationalen Buffet und Begegnungen auf dem Programm.

Eröffnet wurde das Fest von Mädchen und Buben des Pfarrkindergarten St. Michael, die die Gäste mit einem fröhlichen Lied und einem „Grüß Gott“ in vielen Sprachen willkommen hießen. Zusammen mit ihren Betreuerinnen verteilten die Kinder viele bunte Lebkuchenherzen mit der Aufschrift „mitanand“ an die Besucher.


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Mädchen und Buben des Pfarrkindergarten St. Michael
begrüßten die Gäste mit einem fröhlichen Lied und
einem „Grüß Gott“ in vielen Sprachen
© E. Steinbüchler


Musikalisch international gestaltet wurde das Programm auch von der Kinder- und Jugendtanzgruppe des Albanisch-Deutschen Kulturvereins Sali Çekaj sowie verschiedenen Tanzgruppen des Tanzstudios Scherg samt einem mitreißenden Tanz der Brasilianerin Francesca Gruteser. Für viel Stimmung sorgte zum Abschluss der Trommler Charlie Böck aus Ingolstadt mit seiner fetzigen Gruppe Sambapito.


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Ein mitreißenden Tanz der Brasilianerin Francesca Gruteser.
Für viel Stimmung sorgte zum Abschluss der Trommler Charlie Böck
aus Ingolstadt mit seiner fetzigen Gruppe Sambapito
© E. Steinbüchler


Ein Film über die ersten Interkulturellen und Interreligiösen Wochen in Pfaffenhofen mit 30 Veranstaltungen in vier Wochen erinnerte an die Entstehung des Internationalen Kulturvereins. „Das Schlüsselwort heißt Begegnung“, betonte Sepp Steinbüchler, der den Verein 2009 zusammen mit 31 Mitstreitern aus der Taufe gehoben hatte. „Wir haben den Verein nicht in einem Wirtshaus, sondern im Rathaus gegründet, weil es immer unser Anliegen war, etwas für die ganze Stadt zu tun“, erklärte Steinbüchler. Er überreichte den Gründungsmitgliedern Dankurkunden „für zehn Jahre Unterstützung beim Bau vieler Brücken zwischen Menschen, Kulturen und Religionen in Pfaffenhofen“.


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Sepp Steinbüchler überreichte den Gründungsmitgliedern
Dankurkunden „für zehn Jahre Unterstützung beim Bau vieler
Brücken zwischen Menschen, Kulturen und Religionen in Pfaffenhofen“
© E. Steinbüchler


Und er erinnerte an drei wichtige Vereinsmitglieder, die inzwischen verstorben sind: Stadtpfarrer Frank Faulhaber, der den Neujahrsempfang der Religionen und den Tisch der Religionen initiiert hatte, sowie Manfred Eibisch und Björn Johannsen aus der evangelisch-lutherischen Gemeinde, die sehr engagiert im IKVP mitgearbeitet hatten.

Nicht zuletzt galt aber auch dem Vorsitzenden ein herzlicher Dank: „Ohne dich würden wir heute hier nicht stehen“, wandte sich Marita Emrich im Namen des Vorstandes und des ganzen Vereins an Sepp Steinbüchler. Der ehemalige Pastoralreferent hat die Interkulturellen Wochen und den IKVP ins Leben gerufen, und er leitet den Verein seit zehn Jahren, da ihm ein besseres Miteinander von Einheimischen und Migranten, die Begegnung und das gegenseitige Kennenlernen ein großes Anliegen ist.

Neben den Interkulturellen Wochen, die inzwischen sechsmal erfolgreich durchgeführt wurden, hat der Verein sich in den letzten Jahren unterschiedlichsten Projekten und Aufgaben gewidmet. Die Arbeit des AK Asyl und des Helferkreises für Flüchtlinge, der zwischenzeitlich 200 Ehrenamtliche zählte, war ein wesentlicher Bestandteil. Weitere wichtige Elemente sind die Bildungsprojekte für Migrantenkinder, Sprachförderung für Erwachsene sowie die Schaffung der Friedensstele im Bürgerpark. „Das Projekt, das am meisten Kopfzerbrechen gemacht hat, war der Bau der Moschee“, erinnerte sich Sepp Steinbüchler. Und heute, so fuhr er fort, seien alle stolz auf die schöne Moschee, von der die Besucher immer wieder beeindruckt seien und die von der türkisch-islamischen Ditib-Gemeinde privat finanziert worden sei, ohne staatliche oder kommunale Fördergelder.

Dass der Internationale Kulturverein für die Integration der Muslime in Pfaffenhofen und den Bau der Moschee „hervorragende und für die Gesellschaft sehr wichtige Arbeit geleistet habe, erklärte Landrat Martin Wolf in seinem Grußwort. Er bezeichnete den Verein „als wesentlichen Motor, dass unterschiedliche Menschen und Kulturen zusammenkommen“. Der Landkreis habe stets eng mit dem IKVP zusammengearbeitet, führte Wolf aus, vor allem auch seit das Flüchtlingsthema Ende 2012 akut geworden sei, und so habe man im Landkreissüden „die problematische Situation gut miteinander bewältigt“.

Der Dritte Bürgermeister Roland Dörfler ging auf die Bedeutung aktiver Bürger und Vereine für das Gemeinwesen ein und betonte: „Der Internationale Kulturverein gehört zu diesen Aktivposten.“ Der Stadtrat stehe dem Verein und seinen Anliegen daher auch stets aufgeschlossen gegenüber. „Vielfalt ist das Beste gegen Einfalt“, meinte Dörfler, denn „ohne diese Vielfalt wären wir in vielfacher Hinsicht ärmer.“


Theater zur Geschichte Afrikas geht unter die Haut

Theaterstück „Die Weißen kommen“, mit der Berliner Compagnie

Absolut beeindruckend war das Theaterstück „Die Weißen kommen“, mit dem die Berliner Compagnie am Samstagabend, 12.10.2019, in der KulturAula der Grund- und Mittelschule gastierte. Der Internationale Kulturverein Pfaffenhofen (IKVP) hatte die renommierte Gruppe engagiert, die deutschlandweit bekannt ist für anspruchsvolles politisches Theater. Wie der IKVP-Vorsitzende Sepp Steinbüchler erläuterte, war das zehnjährige Bestehen des Vereins der Anlass für das Engagement, denn das Jubiläum sollte nicht nur mit einem Begegnungsfest gefeiert werden, sondern auch inhaltlich und künstlerisch wollte der Kulturverein einen Akzent setzen.

Die Berliner Compagnie, im Jahr 2009 mit dem nationalen Aachener Friedenspreis ausgezeichnet, hatte der Internationale Kulturverein auch bereits 2014, zu seinem fünfjährigen Bestehen, nach Pfaffenhofen eingeladen, und zwar damals mit dem Stück „Anderes als du glaubst“, bei dem es um Christen, Juden und Muslime ging. „Seitdem ist so viel passiert und so viele Flüchtlinge sind zu uns gekommen“, erklärte Steinbüchler, und weil auch in Pfaffenhofen inzwischen viele Geflüchtete aus Marokko, Eritrea, Nigeria, Tunesien und dem Sudan leben, habe man sich jetzt für das Theaterstück über Afrika entschieden. Die Berliner Compagnie spielte ihr Stück „Die Weißen kommen“ an diesem Abend zum letzten Mal. Bereits seit neun Jahren hat die Gruppe es in ihrem Repertoire, und rund 100mal hat sie es erfolgreich in zahlreichen deutschen Städten aufgeführt.

Das Publikum erlebte eine rasante Reise durch die Geschichte Afrikas, mitreißend gespielt von Natascha Menzel, Jean-Theo Jost, Dimo Wendt und dem „Kopf“ der Gruppe, H. G. Fries. 90 spannende Minuten lang agieren die Vier ohne Pause, und sie fordern auch ihrem Publikum einiges ab. Starke Texte aus der Feder von Helma Fries und Elke Schuster, licht- und bühnentechnisch perfekt unterstützt von Wulf Jahn, machen die Geschichte lebendig und gehen unter die Haut. Da schämt man sich, ein Weißer zu sein: Seit die Europäer den Schwarzen Kontinent erobert haben, nutzen sie das Land und die Menschen brutal aus – von der Kolonialisierung über Sklavenhandel und Völkermord bis zur aktuellen Rohstoff- und Flächenausbeutung.

Die vier Figuren auf der Bühne agieren dabei wie in einem Computerspiel und haben verschiedene Aufgaben zu erfüllen, um ins jeweils nächste Level zu gelangen. Die wichtigste Regel dabei: Kein Mitleid! Und die nächste: Nur der Profit zählt! Wer Mitgefühl zeigt oder keinen Gewinn macht, ist sofort „weg vom Fenster“: Er wird zum Afrikaner und ist nun den Schikanen und der Gewalt der Weißen ausgeliefert.


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Sie spielten ein starkes Stück: H. G. Fries, Natascha Menzel,
Jean-Theo Jost und Dimo Wendt (v. l.) von der Berliner Compagnie.
Fotos © E. Steinbüchler


So wechseln die Schauspieler immer wieder die Rollen. Sie starten als Banker und Broker, die mit gewinnträchtigen Aktien und Hedgefonds handeln und skrupellos Anleger werben: „Wenn dem Kaffeebauern nur fünf Prozent gezahlt werden müssen, dann gehören Ihnen 95 Prozent!“ In der nächsten Runde sind sie brutale, menschenverachtende Kolonialherren, die nicht nur Jagd auf Großwild, sondern auch auf „Neger“ machen. Einer nach dem anderen werden sie aber aus dem Spiel geworfen und müssen als Schwarze weitermachen. So zetteln sie eine Meuterei auf einem Sklavenschiff an und nehmen an der Revolution in Haiti teil – müssen aber teuer dafür bezahlen.

Es ist nicht einfach, dieses Spiel zu beenden, und genauso geht auch die Ausbeutung Afrikas weiter. Kinderarbeit in Bergwerken, Monsanto als Saatgut-Monopolist – Beispiele gibt es viele. „Die eine Hand stiehlt Afrikas Reichtum, die andere wirft Almosen hin“, sagen die Schauspieler, aber sie machen ihrem Publikum am Schluss doch Mut. Immerhin gibt es viele Organisationen, Hilfswerke und Initiativen, die gute Arbeit in Afrika leisten und sich für Menschenrechte und fairen Handel einsetzen.