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Jahreshauptversammlung 2010 des IKVP

Vor knapp einem Jahr, während der Interkulturellen und Interreligiösen Wochen 2009, wurde der Internationale Kulturverein Pfaffenhofen gegründet. Am 22.3.2010 konnte der Vorsitzende Sepp Steinbüchler knapp 40 Mitglieder und Gäste zur Jahreshauptversammlung im Hofbergsaal begrüßen.

Der Kulturverein versteht sich als Förderer der menschlichen Beziehungen zwischen den Deutschen und der ausländischen Bevölkerung wie als Interessenvertretung und Sprachrohr ausländischer Mitbürger, für deren Integration er sich stark macht. „Wir lassen uns messen an unseren Zielen“, erklärte Sepp Steinbüchler und ging in seinem Rechenschaftsbericht auf mehrere Aktivitäten und Projekte ein, die der Verein in seinem ersten Jahr durchgeführt bzw. angestoßen hat und die einen direkten Bezug zu den in der Vereinssatzung festgelegten Aufgaben haben.

Ganz aktuell hilft der Kulturverein dem albanischen Verein Sali Cekaj bei seiner Suche nach Räumen für Sprachunterricht der Kinder. Er hat sich außerdem dafür eingesetzt, dass drei Ländergruppen – Vietnamesen, Kosovo-Albaner und Türken – in ihren Landestrachten an der Hauptplatz-Eröffnung am 15. Mai teilnehmen. Sehr erfreut zeigte sich Sepp Steinbüchler zudem, dass eine interreligiöse Segnung des Hauptplatzes geplant ist.

Zum Stand der Planung für den Bau einer Moschee in Pfaffenhofen konnte Sepp Steinbüchler mitteilen, dass die Pläne derzeit noch im Landratsamt liegen. Anstelle des geplanten Baus am Bahnhof gebe es auch Überlegungen, das Grundstück gegen ein anderes Areal zu tauschen, doch sei bisher alles noch in der Schwebe.

Ein großes Projekt, das der Verein im vergangenen Sommer initiiert hat, ist das Integrationsforum, das in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Pfaffenhofen läuft. Schon beim ersten Treffen hatte sich die Sprachförderung als dringendstes Handlungsfeld erwiesen und es wurde beschlossen, bei den Jüngsten - nämlich den Kindergartenkindern - anzusetzen. Sepp Steinbüchler dankte der Stadt Pfaffenhofen für ihre Unterstützung und für die Beauftragung einer Moderatorin, um mehr Sprachförderung für ausländische Kindergartenkinder zu erreichen. Zwei Ziele nannte Steinbüchler als besonders wichtig: Die Sprachförderung der Kinder muss so früh wie möglich beginnen und die Zusammenarbeit mit den Eltern muss verbessert werden.

„Die bestehenden Probleme können nur gemeinsam gelöst werden, doch das ist ein sehr zäher Prozess mit vielen Beteiligten“, erklärte Steinbüchler. In manchen Kindergärten liege der Ausländeranteil bei über 40 Prozent, fügte er hinzu, und die bisherige Sprachförderung reiche bei weitem nicht aus. Raumprobleme, vor allem aber auch Personalmangel kämen hinzu, denn die Erzieherinnen seien schon jetzt vollkommen ausgelastet. So machten sie einen Teil ihrer Vorbereitungsarbeiten daheim in ihrer Freizeit, weil ihnen in den Kindergärten keine „Verfügungszeit“ bleibe. „Die Erzieherinnen brauchen Entlastung!“ forderte Sepp Steinbüchler.

Die Kindertagesstätten bräuchten außerdem Dolmetscher für Elterninformationen und Gespräche, führte er aus, und hier wolle der Internationale Kulturverein helfen. Sieben Personen unterschiedlicher Nationalitäten haben sich bereits gemeldet und weitere Dolmetscher werden gesucht. Ebenfalls gesucht werden auch „Vorlese-Omas/Opas“, um den Mädchen und Buben in den Kindergärten Geschichten vorzulesen.

Über ein anderes Projekt, das bereits sehr erfolgreich läuft, berichtete Hans-Günter Gessler, der ehemalige Direktor des Schyren-Gymnasiums und Vorstandsmitglied des Internationalen Kulturvereins. Zusammen mit seinem früheren Kollegen Erich Gruber hat Gessler ein Förderprojekt für Viertklässler in Gang gesetzt, um ihnen den Übertritt von der Grundschule zur weiterführenden Schule zu erleichtern. Die Stadt Pfaffenhofen unterstützt dieses Projekt finanziell und die beiden Pädagogen kümmern sich derzeit um 15 Kinder in zwei Gruppen. „Wir wollen möglichst viele Grundschüler fördern – ob Ausländer oder nicht!“ betonte Hans-Günter Gessler und kündigte eine Intensivierung der Zusammenarbeit mit den Eltern an.

Manfred Büttner, ebenfalls Vorstandsmitglied und verantwortlich für die Homepage des Kulturvereins brachte einen „Härtefall“-Antrag vor, der von der Versammlung einstimmig angenommen wurde: So gibt es künftig neben dem normalen Vereinsbeitrag von zwei Euro im Monat bzw. der Schüler- und Studentenermäßigung von 50 Prozent auch eine beitragsfreie Mitgliedschaft für sozial Schwache.

Sepp Steinbüchler dankte seinen Vorstandskollegen für die gute und angenehme Zusammenarbeit und diesem Dank schloss sich Reinhard Haiplik, der Integrationsbeauftragte des Stadtrat, an. „Wir sind auf einem guten Weg“, meinte Haiplik, fügte aber hinzu, dass es noch viel zu tun gebe. „Der Bewusstseinsprozess hat den Stadtrat längst erreicht“, erklärte er und mit der Arbeit des Integrationsforums in den Kindergärten und dem Projekt von Hans-Günter Gessler in den Grundschulen – beides von der Stadt unterstützt - sei bereits Einiges in Bewegung.

Für die weitere Arbeit des Internationalen Kulturvereins nannte der Vorsitzende Sepp Steinbüchler in der Mitgliederversammlung vier wichtige Punkte:

  • Zum Ersten soll das Integrationsforum fortgesetzt werden und langfristig zur Gründung eines Integrationsbeirats führen.
  • Als Zweites soll im interreligiösen Bereich der „Tisch der Religionen“ fortgesetzt werden.
  • Weiter sollen möglichst alle zwei Jahre Interkulturelle und Interreligiöse Wochen veranstaltet werden, um die Bevölkerung mit einzubeziehen.
  • Und nicht zuletzt bleibt die Eröffnung eines Kulturhauses für deutsche und ausländische Vereine ein großer Wunsch, wie Steinbüchler erklärte: „Das Haus International in dieser Stadt bleibt immer noch unser Ziel!“

Ganz konkret konnte der Vorsitzende mehrere Termine nennen (siehe auch: "Termine" in linker Navigations-Spalte:

  • Der nächste Tisch der Religionen findet am 9. Juli statt. Gastgeber ist diesmal die türkisch-islamische Gemeinde DiTiB.
  • Schon vorher, am 19. Juni, lädt DiTiB die ganze Bevölkerung zum „Tag der offenen Moschee“ ins Gebetshaus an der Kellerstraße ein.
  • Die nächsten Interkulturellen und Interreligiösen Wochen sind unter dem Motto „Neue Wege zum Miteinander“ für Mai 2011 in Planung. Zu einem Vorbereitungstreffen am 22. Juni um 19.30 Uhr im katholischen Pfarrheim sind alle Interessierten eingeladen.

In Gruppengesprächen wurden Anregungen und Wünsche gesammelt und da wurde ein monatlicher Stammtisch ebenso vorgeschlagen wie die Nutzung des Hungerturms für Lesungen im kleinen Kreis. Die aus Frankreich stammende Künstlerin Carine Raskin-Sander sammelt Ideen für eine Ausstellung „Die Kunst deines Nachbarn“, die in den Interkulturellen Wochen 2011 gezeigt werden soll.

Gewünscht wurden außerdem ein Flyer für den Verein, mehrsprachige Formulare in Ämtern und Behörden, ein Leitfaden für Migranten, um Schulen, Behörden, Vereine usw. vorzustellen. Sepp Steinbüchler erklärte, dass der Verein diese Wünsche nicht alle werde erfüllen können und dass Integration und Interkulturelle Arbeit auch kommunale Aufgaben seien. Volkshochschul-Mitarbeiter Michael Hagn stimmte dem zu: „Die Größe der Stadt ist problematisch: Pfaffenhofen ist zu groß für rein ehrenamtliche Arbeit und zu klein für lauter Hauptamtliche.“