Zen-Vortrag

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Zen-Meditation und Christentum: Gegensätze können sich auch in der Religion anziehen

„Zen-Meditation und Christentum: Zusammenhänge – Unterscheidungen – Praxis“ hieß das Thema eines Vortrags von Dr. Stefan Bauberger SJ, mit dem die Interkulturellen und Interreligiösen Tage 2012 in Pfaffenhofen am Dienstagabend eröffnet wurden.

Dr. Bauberger SJ

Sepp Steinbüchler, Pastoralreferent der katholischen Stadtpfarrei St Johannes Baptist und Vorsitzender des Internationalen Kulturvereins Pfaffenhofen, freute sich über ungewöhnlich zahlreiche Zuhörer: Fast 100 interessierte und teils auch fach- und sachkundige Besucher waren in den Festsaal des Rathauses gekommen. Sie bekamen einen Einblick in eine ganz andere, für die meisten fremde Welt und erlebten einen interessanten Vortrag und eine fast noch aufschlussreichere anschließende Gesprächs- und Diskussionsrunde. Die Einführung und Moderation übernahm dabei Sepp Steinbüchler in Vertretung des erkrankten Peter Dorn.

Dr. Stefan Bauberger ist katholischer Priester und Jesuit, hat in Physik promoviert, in Philosophie habilitiert und ist zugleich autorisierter Zen-Meister. Wie das alles nebeneinander und miteinander geht und vor allem, wie der katholische Theologe zugleich eine buddhistische Lehre ausüben kann – das war Thema interessierter Fragen aus dem Publikum. Dr. Stefan Bauberger beantwortete das mit einem Vergleich: „Muttersprachlich bin ich Christ und fremdsprachlich Buddhist.“ Zen-Meditation ist für ihn eine Art „nach innen verlagerter interreligiöser Dialog“, bei dem er „in den Buddhismus hineingeht und dann wieder ins Christentum zurückkehrt“.

Der Referent bezeichnete Zen als eine Schule des Buddhismus, wobei das Wort „Zen“ für „Versenkung“ stehe. Viele Menschen – immer mehr auch bei uns – praktizieren Zen-Meditation als Mittel, um zur Ruhe zu kommen, zu entspannen und sich wohler zu fühlen. „Das ist in Ordnung, aber das ist nicht der Kern“, meinte Bauberger, denn „wer Zen praktiziert, praktiziert Religion“.

Er selbst, so erzählte Stefan Bauberger, habe schon als Jugendlicher durch den Jesuiten Pater Lassalle, der als katholischer Missionar und buddhistischer Zen-Meister im japanischen Hiroshima wirkte, Zugang zur Zen-Meditation gefunden. Er habe damals die buddhistische Meditation wie christliche Anbetung verstanden und obwohl er angefangen habe, buddhistisch zu denken, habe ihn das nicht von der katholischen Lehre entfremdet, sondern vielmehr zu einem tieferen Wiederentdecken des Christentums geführt.

Dr. Stefan Bauberger las Aussagen bzw. Anekdoten von Zen-Meistern vor und diese so genannte „Koans“ führten die unterschiedlichen Kulturen und Gedankenwelten von Buddhismus und Christentum, Asien und Europa vor Augen. Doch Bauberger hat die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt, sich länger mit diesen Koans zu beschäftigen: „Das sind zwar ganz unterschiedliche Gedankenwelten, aber in beiden zu sein, hilft auch, beides besser zu verstehen.“

Aber nur durch eigene praktische Übungen und Erfahrungen sei Zen zu verstehen, betonte er, und nicht durch intellektuelle Auseinandersetzung. Eine ganz konkrete Möglichkeit dazu nannte Franz Sendtner, der seit kurzem jeden Freitag um 19.30 Uhr im katholischen Pfarrheim Pfaffenhofen zur Zen-Meditation einlädt.

Dr. Stefan Bauberger zeigte Gemeinsamkeiten von Zen-Buddhismus und Christentum auf, machte aber auch Grenzen und Gegensätze deutlich. Er resümierte: „Wir sind alle auf demselben Weg – egal welche Religion wir ausüben.“ Und er zitierte das Zweite Vatikanische Konzil: „Gott will das Heil aller Menschen.“

Dr. Bauberger SJ